Die Geschichte des Hauses "Stadt Cassel"

Westheimer Str. 25 bzw. Wallstr. 3, alte Haus-Nr. 368 bzw. 369.

Zusammengestellt von Eckhard Preuschhof, Heimatkundliches Archiv Homberg

Die meisten Häuser wurden im 30-jährigen Krieg (1636 und 1640) zerstört oder verbrannt. Im besten Fall konnte auf dem erhalten gebliebenen Fundament neu gebaut werden. So wird es vermutlich auch mit der Baustelle des späteren Hotels "Stadt Cassel" geschehen sein. Die Größe des Hauses und die Konstruktion lassen vermuten, dass das Haus einen Anbau erfahren hat. Das Haus steht jetzt also auf den Fundamenten von zwei älteren Häusern mit den alten Hausnummern 368 und 369.

1736 ist Hausbesitzer der Knopfmacher HUBENTHAL. Seine Witwe Hubenthal ernährt sich 1748 vom Branntweinschank. Ein Geselle und ein Lehrjunge helfen ihr bei der Arbeit.

Im Jahre 1804 muss auf Grund der eingekerbten Jahreszahl 1804 in einem Balken im linken Teil des Hauses das Haus entweder neu gebaut, umgebaut oder angebaut worden sein. Vermutlich ist seit dieser Zeit "Stadt Cassel" ein Restaurant.

Als Hausbesitzer und Gastwirt werden 1838-1843 Georg SARTORIUS (1796-1874) und seine Frau Christina Elisabeth verwitwete MOST geb. ASMUS genannt. Der Schuhmacher und spätere Gastwirt Georg SARTORIUS, Sohn des Quartiermeisters Johannes SARTORIUS, heiratete sie am 27.3.1828 in Homberg. 1844/46 sind neben dem Wohnhaus eine Scheune, Stallungen und ein Fourageboden vorhanden. Er stirbt am 5.12.1874.

Nachfolger wird sein Neffe u. Schwiegersohn Nicolaus SARTORIUS (geb. 10.5.1827). Er heiratete am 14.1.1855 Martha Elise, die Tochter des Gastwirts und Ratsmitgliedes Georg SARTORIUS. Er wurde "der grobe Mann" genannt, weil er Gäste, die sich nicht zu benehmen wussten, kurzerhand am Kragen packte und vor die Tür setzte. Er starb 1881 in Wiesbaden während einer Badekur.

1894 wird als Gastwirt und Hausbesitzer Hermann STOLZENBACH, Sohn des Nicolaus STOLZENBACH, erwähnt.

Am 6. März 1912 kaufte der Oberkellner Conrad SCHMIDT "Stadt Cassel" von Gastwirt Hermann STOLZENBACH. Seine Frau Anna geb. BUTTERMANN aus Münster, die ihren Beruf in einem Restaurant ihrer Heimatstadt von der Pieke auf gelernt hatte, übernahm die Küche.

Ihr Sohn Conrad SCHMIDT mit seiner Frau Ilse übernahm 1954 den elterlichen Betrieb. Durch einen Anbau wurde das Restaurant "Stadt Cassel" erweitert zu einem Hotelbetrieb mit 24 Betten, nun unter dem Namen "Hotel Stadt Cassel". 1962 erhielten die Zimmer Duschen und WC. Der zweite Conrad SCHMIDT, der jahrelang auch Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins gewesen war, starb schon 1962.

Frau Ilse SCHMIDT und ihr Schwager Heini SCHMIDT führten das Hotel weiter, bis 1977 der "dritte Conrad SCHMIDT" mit seiner Frau Doris in den Familienbetrieb einstieg. Hotel und Restaurant wurden von Grund auf modernisiert.

Erwähnenswert ist noch, dass der ursprüngliche und einzige Zugang von der Westheimer Straße aus war. Das Grundstück reichte bis zur Stadtmauer, dahinter befanden sich bis 1938 Gärten. 1938 wurde - da die engen Straßen der Innenstadt den zunehmenden Verkehr nicht mehr bewältigten - südlich der Stadtmauer eine neue Durchgangsstraße, die heutige Wallstraße, gebaut. Damit wurde die Möglichkeit für die Familie Schmidt geschaffen, auch die südliche Front mit einem Parkplatz, Garagen und einem Eingang von der Wallstraße aus zu sanieren.